Bus in der Stadt

DENKEN

Über Filme nachdenken ist «Learning by doing». Es lohnt sich aber, die folgenden Fragen im Hinterkopf zu behalten:

Warum gefällt mir der Film (nicht)?

Oft kommen wir aus dem Kino und fällen ein spontanes Urteil: «Der Film war super!» – «Der Film hat mich berührt.» – «Der Film hat mich kalt gelassen.» Jetzt geht es darum, dieses Empfinden zu hinterfragen: Warum fühle ich so?

Hat der Film eine eindeutige Aussage?

Filmemacher:innen können ein (sozial-) politisches Engagement verfolgen. Das ist aber nicht immer offen sichtbar. Es ist wichtig zu unterscheiden, welche Aussagen ein Film offen tätigt und welche erst bei der Analyse zutage treten. Stehen die beiden Aussagen etwa in einem Widerspruch?

Durch welchen Blick betrachten wir die Handlung?

Die Kamera kann einen neutralen Standpunkt einnehmen und die Handlung einfach unbeteiligt abfilmen. Oft nimmt sie aber die Perspektive einer oder mehrerer Figuren ein? Was ist das für ein Blick? Ein männlicher? Ein weiblicher? Ein konservativer oder progressiver?

Was zeigt die Kamera (nicht)?

Ihr sind wir ausgeliefert: der Kamera. Die Handlung spielt sich aber auch ausserhalb des von ihr Gezeigten ab. Worauf lenkt die Kamera unseren Fokus? Und wovon sieht sie ab?

Weiss der Film, dass er ein Film ist?

Kunstwerke denken oft über das eigene Gemachtsein nach. Beim Film ist das nicht anders. Wo treten Momente auf, in denen der Film selbstreflexiv ist – also sich bewusst ist und es uns bewusst macht, dass er ein Mach-Werk ist? Etwa wenn Hitchcock durch seine eigene Filme spaziert?

Habe ich genügend Distanz zum Film?

Filme berühren uns, nehmen uns emotional gefangen, schockieren, ekeln, erregen uns. Als Interpret:innen müssen wir einen distanzierten Blick einnehmen und uns nüchtern überlegen: «Was wurde uns da eigentlich gezeigt?»

Welches Genre sehen wir?

Gangster Movie, Horrorfilm, Liebeskomödie, Superhelden-Blockbuster. Oft schreiben sich Filme bewusst in eine Genre-Tradition ein. Aber: Gibt es vielleicht Ebenen, auf denen der Film gegen sein eigenes Genre verstösst?

Gibt es Alternativen zur gezeigten Handlungen

Eine ganze Generation hat sich gefragt: Wieso muss Jake sterben, damit Rose den Untergang der Titanic überlebt? Könnte es nicht anders herum sein? Die Frage drängt sich auf: Ist die Motivation der Figuren stets eindeutig? Könnten sie auch anders handeln?

Lässt sich der Film mit anderen vergleichen?

Wurde der gezeigte Stoff schon einmal verfilmt? Gibt es vergleichbare Filme im Werk der Regisseurin/des Regisseurs? Kommen IM Film andere Filme vor? Hier lohnt sich immer der Vergleich.

Welchen Stellenwert haben Credits und Logos?

Der Film beginnt nicht erst, wenn die Protagonistin oder der Hauptdarsteller die Leinwand betritt. Oft beginnt er schon viel früher. Es lohnt sich deshalb, Titelsequenzen, die Logos der Studios und die Credits in die Analyse zu integrieren.

Kino-Leuchtschrift