Zeit
Die 180-Grad-Regel

Das Kino – insbesondere der Filmschnitt – schafft und orientiert sich an den Sehgewohnheiten
des Publikums. Zwei dieser «Codes» sind die 180-Grad-Regel und der Establishing Shot.

Welche Position nimmt die Kamera ein, um in dieser Szene aus Antoine Fuquas Training Day (USA 2001) das Gespräch zwischen den beiden Polizisten zu filmen?

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Die 180-Grad-Regel

 Die 180-Grad-Regel verbietet die Übertretung der Blick-, Beziehungs-, Handlungsachse. Die Darstellung links zeigt: Wechselt die Kamera auf die andere Seite der Protagonisten, so tauschen diese die Plätze. Die Zuschauer:innen sind verwirrt, da die Links-Rechts-Orientierung nicht mehr gewährleistet ist. Ein Establishing Shot ist dann vonnöten.

Interessant sind Fälle, in denen die:der Regisseur:in bewusst die Regel verletzt.

 

 

Achten Sie darauf, wie Stanley Kubrick bewusst die Dialogachse überspringen lässt. Wie passt das zur Stimmung des Films?

In diesem Beispiel aus dem Kurzfilm von David Karlak, überschreitet die Kamera mit einer Fahrt die Dialogachse. Was bedeutet das für das Machtgefälle zwischen den beiden Männern?

In dieser Szene aus  Lord of The Rings – Two Towers (2002) «überfährt» Peter Jackson die 180-Grad-Achse, anschliessend einen Dialog im Schuss-Gegenschuss-Verfahren zu filmen. Wieso ist die Überschreitung der Dialogachse hier wichtig?

 

Der Establishing Shot

Der Establishing Shot dient dazu, dem Publikum einen Überblick über die Figuren und ihren Positionen im Raum zu verschaffen. Typischerweise ist er in der Halbtotalen oder in der Totalen quadriert. Ist die Positionierung der Akteur:innen etabliert, sind keine weiteren Establishing Shots nötig. Achten Sie darauf, wann in dieser Szene aus Seppuku (J 1962; Masaki Kobayashi) Establishing Shots verwendet werden. Berücksichtigen Sie dabei ihr Wissen um die 180-Grad-Regel.